Wir sind dann überraschenderweise morgens um 5 Uhr wieder aufgestanden, um zum nächsten Abenteuer aufzubrechen. 2 Tage und Nächte im Dschungelcamp im Okavango Delta mit einer Zwischenübernachtung im Caprivi Strip.
Ich war äußerst skeptisch, ob der Hitze, der Tiere, der Moskitos, der Einbaumfahrt usw.usw. Aber mitgehangen, mitgefangen! Da musste ich dann wohl auch mit durch!
Aber erst einmal war ja wieder Fahrtag angesagt. Insgesamt 650 km bis zu einem Camp nahe der botswanischen Grenze, um dann morgens direkt einreisen zu können.
Unterwegs gab es dann außer einer geraden Straße, die am Horizont auch nach hunderten Kilometern immer noch gerade erschien und zwei Straßenkontrollen, eine wegen Maul- und Klauenseuche und eine Polizeikontrolle, die uns eine Viertelstunde Zeit gekostet hat, nichts aufregendes zu sehen. Die Polizeikontrolle war allerdings noch äußerst amüsant, da leider genau zu dem Zeitpunkt, wo Tiniyko seinen Führerschein zeigen musste, der erste Tank leer wurde und wir durch Luft in der Pipeline erstmal den Truck vorne kippen mussten. Kannten wir schon, aber die Dame in Polizeiuniform dachte wohl, wir wollten sie verscheißern. Sie wurde richtig grantig, da wir nicht sofort weiterfahren konnten und damit ja die ach so viel befahrene Straße blockierten und forderte Tiniyko auf, den Truck aus dem Schatten (in dem sie weiter Autos kontrollieren wollte) in die Sonne zu schieben. Ja, na klar, kein Problem. Wir schieben mal gerade ein paar Tonnen beiseite…
Tiniyko hat alles mit Humor genommen und die ganze Zeit nur gequatscht, dass er gleich fertig wäre, dass er froh wäre, dass Polizisten so hilfsbereit sind, dass er ihnen einen schönen Tag wünscht, dass es schön wäre, wenn er Unterstützung hätte, das aber auch alleine schaffen würde usw. usw.
Ich glaube, die Furie hätte ihn am liebten erwürgt. Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß.
Gegen 5 Uhr waren wir dann im Camp am absoluten A. der Welt (mal wieder). Eigentlich ganz schön dort, der Okavango direkt unterhalb der Zelte, eine Bar am Wasser und ein Swimmingpool. Und, was am besten war: WIFI! Klasse!
Nach kürzester Zeit saßen Team Deutschland und Team Norwegen fast komplett am Pool und surften im Internet bzw. telefonierten mit den Liebsten, die evtl. auch gerade online waren. Nach Swakopmund das erste Mal Internet, und das mitten im Busch.
Auf der Fahrt zum Camp sind wir an sehr vielen Strohhütten vorbeigekommen, die immer in einem Viereck angeordnet einer Familie gehören. Tiniyko kommt selbst aus einer Familie, in der sein Vater insgesamt 3 Frauen hatte und diese alle zusammen mit den Kindern auf so einem Hof in unterschiedlichen Hütten leben. Die erste Frau trifft wohl immer die Entscheidungen und die nachkommenden Frauen haben sich unterzuordnen. Und irgendwie wird das akzeptiert. Kaum vorstellbar bei uns (finde ich jetzt als Frau, einige Männer sind da bestimmt anderer Meinung;-))
Tiniyko hat 15 Geschwister, davon 12 Brüder und nur einen Bruder mit derselben Mutter, die aber auch bereits tot ist. Er spricht alle Sprachen, die im Süden von Afrika gesprochen werden, es ist wirklich unglaublich, mit wem er sich alles unterhalten kann.
Er erzählte mir, dass er das früher als Spiel aufgefasst hat und einfach sehr interessiert war in allem, was mit Sprachen zu tun hatte. Irgendwann konnte er sie alle. Er beherrscht auch die lustigen Schnalz- und Klicklaute. Als er uns erklären wollte, wie alt sein Daddy geworden ist, musste er allerdings 2010 minus 1936 im Sand aufschreiben und nach allen Regeln der Rechenkunst abziehen.
Außerdem kann er einen Truck fahren und wenn´s sein muss, reparieren, kennt sich in der Wildnis aus, ist den ganzen Tag (meist singend) gut gelaunt – was allerdings um 5 Uhr morgens extrem nervig sein kann – kann halbwegs kochen, ein richtiges Allround-Talent für diesen Job. Bei uns könnte man damit ein Vermögen verdienen, hier wahrscheinlich eher nicht.
Er meinte, er tut das alles nur, damit es seiner kleinen Tochter halbwegs gut geht. Da er aber die meiste Zeit mit Drifters unterwegs ist, sieht er die nicht all zu häufig.
Und was er sonst noch für Talente hat, haben wir dann im Dschungel festgestellt. Aber dazu später mehr.
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